«Das wollen wir auch!», dachten sich Ramon
Schöb, Markus Weilenmann und Lukas Bigler, als
sie von einem Schweizer Team lasen, das den
Osten per Velo erobert hatte. Ihre dreimonatige
Tour von Mai bis August 2011 wurde dann zur «Torturoschte»
so der launige Titel ihres Vortrags. Für
Profizubehör war zwar gesorgt. Das Wetziker
Velogeschäft VeloPlus stiftete Satteltaschen und
Zubehör, die 4000 Franken teuren Velos und die
Schweizer Trikots waren bereit. Nur die drei
Studenten waren alles andere als Profis. Lukas
Bigler hatte gar bislang kaum je ein Velo
bestiegen. «Das wird er nach dieser Erfahrung
wohl auch nie wieder tun», begann Ramon Schöb
scherzend seinen Vortrag im Singsaal des
Schulhauses Zwingert. Im Wechsel mit seinen
Kollegen kommentiert er während der nächsten
eineinhalb Stunden humorvoll die projizierten
Bilder der Reise vor rund 120 Gästen.
Tiefpunkt nach
5000 Kilometern
Die Route durch
Eurasien stand fest:
Zürich-Polen-Kasachstan-Russland-Mongolei-China.
Aus dem Internet lud Ramon Schöb sich die Karten
aufs Smartphone. Alles andere ergab sich
spontan, inklusive Pannen. «Ich weichte meinen
harten Sattel vor der Abfahrt in Lauge ein, um
ihn geschmeidig zu machen», erzählt Schöb. «Doch
er verlor komplett seine Form!» Gummibänder
hielten ihn während der folgenden 10000
Kilometer zusammen. Ein Formtief hatten indes
die drei Radler nach den ersten 800 Kilometern
im tschechischen Brünn. Wenig später kamen bei
Schöb und Weilenmann starke Beinprobleme hinzu.
Nicht so beim untrainierten Lukas Bigler. «Er
raste die Hänge hinauf, wartete oben und schoss
Fotos von uns», lacht Weilenmann.
Und der Alltag?
«Wir lebten von Brot, Käse und Teigwaren und
hatten nur etwa einmal pro Woche Gelegenheit zum
Duschen.» So wurden aus den ehrgeizigen
Globetrottern nach und nach drei
Robinson-Crusoe-Abbilder. Eine Herausforderung
waren auch die löchrigen Strassen in der
Ukraine, die sich bei Regen in Schlammpisten
verwandelten, und die Mückenattacken in
Russlands Wäldern. «Nach der halben Wegstrecke
hatten wir einen ernsten Tiefpunkt», räumt Ramon
Schöb ein.
Doch dank der
Internetvermittlung «Couch Surfing» gab es für
sie immer wieder ein Dach über dem Kopf. Und
nette Menschen, die zu Speis und Trank einluden,
gab es überall. Ein wodkaseliger Russe etwa nahm
sie mit zu seiner Familie und schmetterte zum
Essen die Nationalhymne. Die Video-Einspielung
sorgte für viel Heiterkeit im Saal. Am Baikalsee
feierten sie mit Einheimischen und genossen eine
besondere Fisch-Delikatesse, den forellenartigen
Omul. Nach dem schmucken Irkutsk ging es über
die Grenze in die Mongolei mit ihrer hügeligen
Weite, ihren Pferdeherden und Jurten, in die sie
bald eingeladen wurden. «Ein wunderschönes Land
und herzliche Menschen», so das einhellige
Urteil. «In der Hauptstadt Ulan Bator sassen wir
sogar bei einem Volksfest mit Ringkämpfen und
Reiterspielen auf der VIP-Tribüne und wurden vom
Bürgermeister anschliessend zum Essen in sein
Zelt eingeladen!» Zweifelhafte Genüsse seien
hingegen der gesalzene Tee und das Volksgetränk
Airag gewesen vergorene Stutenmilch.
Ohne Wasser in
der Wüste Gobi
Ernsthaft
gefährlich für die drei Abenteurer wurde es dann
in der Wüste Gobi, als ihnen bei 45 Grad nach
einer 100 Kilometer langen Irrfahrt das Wasser
ausging. Eine Wasserfilter-Pumpe und
Schmutzwasser in einer Bodensenke waren ihre
Rettung. Doch dann erreichten sie glücklich
Peking, hatten die «Tortour» überstanden und
sahen die Chinesische Mauer aus der Nähe. Einer
Gruppe Chinesen mussten sie auf der Karte gleich
die Schweiz zeigen. Dorthin zurück ging es dann
verdient per Flugzeug. Die Gäste zeigen sich
nach dem Vortrag beim Apéro beeindruckt von der
strapaziösen Tour. Die Buchserin Gertrud
Schatzmann lobt den «spontanen Vortrag», und
Erwin Dürlewanger aus Regensdorf, der selbst
gern Velotouren unternimmt, meint: «So eine Tour
nach Peking würde mich auch reizen!»
Text von
Steffanie Gohr / Furttaler 5.4.2012